Neues Buch: Was war der Hipster?

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 14.2.2012.

Es mehren sich die Nachrufe auf die Subkultur des Hipsters. Gab es ihn in Österreich überhaupt, wie sah er aus und ist er wirklich tot?

Trucker-Kapperl, weiße Socken von der Modekette American Apparel, Hornbrillen in Übergröße, enge Hosen, popkulturelle Referenzen an Peinlichkeiten aus den 80er Jahren am T-Shirt und vielleicht noch ein Schnauzer – so laufen einige junge Menschen in den Großstädten dieser Welt herum. Was auf den ersten Blick wie unglaublich geschmacklos gekleideter “White Trash” rüberkommt, sind die sogenannten Hipsters. Ideologisch wird es noch komplizierter – oder auch einfacher: denn der Hipster hat keine Meinung, ist sehr wandelbar – und hoch gebildet.

Kaum erklärt und schon vorbei?

Nun soll auch schon wieder das Ende des Hipsters gekommen sein. Denn spätestens wenn der Feuilleton darüber schreibt, sieht es für die Subkultur schlecht aus. Hierzulande fand etwa beim Falter ein Abgesang auf den Hipster statt, das Magazin The Gap schrieb einen Nachruf – unter anderem als Reaktion auf das Anfang des Jahres im renommierten Suhrkamp-Verlag auf Deutsch erschienenen Buch “Hipster. Eine transatlantische Diskussion”. Der New Yorker Mark Greif von n+1 versammelt darin als Herausgebe mehrere Experten, um sich dem Wesen des Hipsters sozialwissenschaftlich zu nähern. Nach der Lektüre ist klar, dass der Hipster keine klar definierten Grenzen hat, es aber doch ein paar wichtige Wesenszüge gibt, die an ihm festzumachen sind: Unpolitisch, hedonistisch und konsumorientiert wandelt er durch die Online-Stores dieser Welt und überlegt sich, welche ironische Geste er mit seinem neuen T-Shirt anstreben könnte.

Wie sieht es nun in Österreich aus? Jonas Vogt, Redakteur bei The Gap und gelegentlich beim Hipster-Leitmedium Vice tätig, sieht das Hipstertum als Phänomen der Nuller-Jahre, das als abgeschlossen betrachtet werden kann. “Der Hipster als geschlossenes Phänomen, also die stilistische Oberfläche mit Schnauzbart und Co. ist auch hier quasi tot. Was aber bleibt, ist das Aneignen von verschiedenen anderen popkulturellen Codes.” Das Internet begünstigte laut Vogt die Entstehung des Hipsters, trug aber auch zu seinem Niedergang bei: “Früher war es schwierig, Insiderwissen zu bekommen. Man musste bestimmte Leute fragen, wenn man wissen wollte, was angesagt ist. Durch das Internet wurde es für jeden leicht, neue Trends einfach zu googeln und die richtigen Orte zu finden. Andererseits findet aber auch das Einprügeln auf den Hipster im Internet statt.

Eine bemitleidenswerte Figur

“Hipster – Eine transatlantische Diskussion” erschien Anfang 2012 im Suhrkamp Verlag. Erhältlich um € 18 im Paperback, Kindle-Version um € 14.Auf die Frage, ob er sich selbst als Hipster bezeichnen würde, bestätigt Vogt eine Feststellung aus dem Buch von Mark Greif: “Es gibt niemanden, der sich selbst als Hipster bezeichnen würde, außer es ist an sich schon wieder eine ironische Aussage. Einerseits ist Hipster also eine Beleidigung, andererseits kann man diese Bezeichnung auch als Statement tragen. Hier sieht man auch ganz gut die postironische Falle, in die die meisten Hipster treten: Wenn alles ironisch ist, inklusive der Ironie, bleibt halt keine Aussage mehr übrig. So bleibt nur eine Oberfläche bestehend aus Mode-Statements. Insofern ist der Hipster durchaus eine bemitleidenswerte Figur, wobei wir aber infrage stellen müssen, ob es diesen Prototypen wirklich gibt.”

Ob tot, halbtot oder noch lebendig: Nachdem die zwei Jahre Abstand zu den Nuller-Jahren ein Resümee über den Hipster erlauben, bleibt die noch viel spannendere, noch unbeantwortete, Frage: Was kommt nach dem Hipster? Bis wir diese Erkenntnis erlangt haben, können Sie nach ein paar Überbleibseln suchen: Bei American Apparel in der Mariahilferstraße, manchmal in der Pratersauna oder auch bei einer der Vice-Partys – falls sie davon erfahren und auch reinkommen.


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