Buchbeitrag für den Kommunalen Zukunftsbericht 2017

Für den Kommunalen Zukunftsbericht 2017 durfte ich einen ausführlichen Beitrag über die Vor- und Nachteile der Nutzung von Social Media in Österreichs Gemeinden schreiben. Die Bürgermeister/innen bekommen ihn im Rahmen des Österreichischen Gemeindetages, der nächste Woche in Salzburg stattfindet. Und bald steht er auch zum Download zur Verfügung, für alle, die es interessiert.

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W24 Spezial zu Fake News, Social Media und mehr

W24 Spezial lud zu 1,5 Stunden Diskussion über Fake News, Algorithmen und einiges mehr, was derzeit den Journalismus beschäftigt. Katharina Schell, Mitglied der APA-Chefredaktion, wies darauf hin, dass man die verschiedenen Aspekte von „Fake News“ beachten soll und der Begriff eigentlich schon viel zu inflationär verwendet wird, womit sie vollkommen recht hat. Unterschieden werden muss zwischen gezielter Beeinflussung/Propaganda, die es in die Medien schafft, Fehlern seitens der Medien, Zeitungsenten, Reinfallen auf falschen User Generated Content und auch komplett erfundenen Storys mit dem Ziel der Monetarisierung.

19400211_10213767477327449_1604268708316789248_oMythos „Gratis-Falle“

Wie jede Diskussion über Medien gelangten auch wir zu dem Argument, dass die Medien den großen Fehler gemacht hätten, online ihre Inhalte gratis anzubieten. Dem widersprach Gregor Kucera von der Wiener Zeitung sehr eloquent, indem er darauf hinwies, dass auch in Print ein sehr großer Teil der Einnahmen durch Werbung generiert wird und der Kaufpreis nur einen Teil des Vertriebs finanziert. Es ist auch ein Mythos, dass der Vertrieb der Inhalte online nichts kostet.

Algorithmen per se sind nicht böse

Besorgt zeigte sich Fritz Hausjell, Medienhistoriker & Journalismusexperte der Uni Wien über Algorithmen, die zunehmends Einfluss auf unseren Medienkonsum nehmen. Das ist auch durchaus gerechtfertigt, vor allem, weil wir KonsumentInnen meist keinen Einblick haben, wie diese Algorithmen genau funktionieren. Deshalb heißt das aber nicht, dass sie per se schlecht sind. Wenn Medienunternehmen verantwortungsvoll mit der Gestaltung dieser Algorithmen umgehen, können diese einen großen Vorteil für die User bedeuten.

So kann eine individuell aufbereitete Startseite die Freude am Medium enorm erhöhen – solange relevante internationale Nachrichten zum Beispiel trotzdem im Aufmacherbereich sind und die Überraschung durch das Medium nicht verloren geht. Die ganze Diskussion gibt es hier zum Nachschauen, sie dauert für TV-Verhältnisse ewige 1:25 Stunden, es war trotzdem extrem schnell vorbei und man könnte natürlich wochenlang über all diese Themen sprechen und ins Detail gehen.

Statement im ORF Kulturmontag

Für den Kulturmontag durfte ich ein paar Sätze zu “Zehn Jahre Smartphone” sagen, welch Ehre! Ich kann mich noch genau erinnern, als ich mein erstes iPhone bekommen habe, damals schon als Diensthandy: Mir fehlte jegliche Vorstellung, was “Apps” bitte sein sollten und was das Ding kann. Nach nur wenigen Stunden war mir bewusst, dass dieses Gadget sehr viel ändern wird.

 

Am meisten beeinflusst werden durch Smartphones unser Zeitmanagement sowie unsere Art der Kommunikation. Ich denke nicht, dass wir durch Smartphones weniger miteinander reden. Vor allem im öffentlichen Raum bevorzugen die meisten Distanz zu Fremden. Sehrwohl haben wir die Zeit, bevor ein Gadget à la MacLuhan zu unserem verlängerten Arm wurde, anders genutzt.

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Zu kritisieren am Smartphone ist vor allem das ermöglichen des beinahe unkontrollierten Datensammelns über unser Verhalten. Für die meisten NutzerInnen überwiegen zwar die Vorteile, die das Gerät mit sich bringt, den Nachteil der ungewollten Transparenz, mehr Selbstbestimmung über das Verwenden der Daten durch Drittanbieter sollte aber auf jeden Fall ein stärkeres Anliegen in der Zukunft sein.

Für Medien tut sich durch die mobile Nutzung freilich ein riesiges Schaufenster auf, in dem sie ihre Inhalte präsentieren können, das begleitet meinen Arbeitsalltag seit Jahren.

Bewusste Nutzung, das Ding auch mal weglegen und effizientes Kommunizieren sind also eine gute Kombination, wenn es um Smartphones geht. Das gilt für die Theorie ;-), dass wir alle in der Praxis auch mal in ausufernden WhatsApp-Gruppen landen, ist eine andere Geschichte …

Was das Pizzafoto von Norbert Hofer über den Zustand des Journalismus verrät

In Somalia starben Dutzende an Cholera und es droht eine Hungersnot, der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich spitzt sich zu, das Verhältnis zwischen der Türkei und Europa wird auf die Prüfung gestellt und – ach ja, da wäre noch diese Sache mit Trump. In der idealen Welt des Qualitätsjournalismus erhalten diese Inhalte die meiste Aufmerksamkeit der UserInnen.

Die meistgelesene Geschichte auf derStandard.at war gestern aber jene über ein „altes Pizzafoto von Norbert Hofer“. Das löst eine Vielfalt an Reaktionen bei Medienmachern aus: Was ist nur aus dem Journalismus geworden? Zerstört Social Media jegliche Möglichkeit zu ernsthaftem Diskurs? Sind unsere LeserInnen womöglich doch nicht die hyperreflektierten Intellektuellen, wie wir sie uns so gerne vorstellen? Warum investieren Journalisten Zeit für so eine Meldung?

Alles berechtigte Fragen, wie Debatten um Fake News, Filter Bubbles oder die Gatekeeper-Funktion der Medien beweisen. Gleichzeitig ist große Besorgtheit bei Ausreißern wie dem #Pizzagate meiner Meinung nach nicht nötig, und zwar aus mehreren Gründen.

Daten sind nicht der Feind

Das Leseverhalten der User können wir zwar schon einige Jahre lang analysieren, diese Zahlen werden aber immer noch gerne ignoriert oder nur dann genauer betrachtet, wenn unliebsame Ausreißer wie Norbert Hofers Pizza eintreten – und zwar um zu beweisen, dass der Online-Kulturpessimismus berechtigt ist. Ein Vergleich: Bei Printprodukten kann außer durch aufwändige Leseflussanalysen mit wenigen Probanden nicht festgestellt werden, welche Geschichten am meisten gelesen werden.

Die Ernüchterung, die eintritt, wenn womöglich die kleinen Kästchen mit banalen Kurzmeldungen wie „Katze nach fünf Tagen von Dach gerettet“ häufig konsumiert werden, ist nachvollziehbar. Sie sagt aber mehr über die Erwartungshaltung an die LeserInnen aus als über den Sittenverfall der LeserInnen selbst. Ein wenig Eigenbeobachtung kann zur Relativierung manchmal nicht schaden: Welche Artikel habe ich heute Morgen wirklich gelesen? Und über welche spreche ich mit meinen Freunden? Wenn gerade keine Breaking News passieren, sind es hin und wieder auch die etwas weniger komplexen, um es höflich auszudrücken.

Die Liebe zum Banalen wird den Journalismus nicht umbringen

Denn diese Zahlen zeigen lediglich, worüber „man spricht“. Das sind Inhalte, zu denen man ohne lange Recherche eine Meinung haben kann, die oft auch amüsant sind, aufregen oder einen persönlich betreffen. Solche Inhalte fanden immer schon in größerem oder kleinerem Ausmaß in die Medien, heute können wir das lediglich besser analysieren und visualisieren.

Oft werde ich von StudentInnen für Interviews für Bachelorarbeiten gefragt, ob Berichte über solche „Gesprächsthemen“ und deren Verbreitung über Social Media den Qualiätsjournalismus gefährden. Meiner Meinung nach tun sie das nur, wenn deshalb weniger über ernste und komplexe Geschehnisse auf der Welt berichtet wird. Und genau da sind Qualitätsmedien in der Verantwortung, das nicht geschehen zu lassen.

Dürfen Qualitätsmedien „Gossip“ bringen?

Dass es zusätzlich zur ernsten Berichterstattung kurze Meldungen gibt, die viele User teilen, kann derzeit sogar eine wichtige Säule des Geschäftsmodells von kostenlosen Online-Medien sein (wobei das wieder eine andere Diskussion ist). Dabei kommt es hauptsächlich darauf an, zu entscheiden, was meldenswert ist und wie die Geschichte erzählt wird. Im Falle Hofers könnte man argumentieren, dass das Pizzafoto so banal gar nicht ist, weil ein Politiker einer offensichtlichen Lüge überführt wurde. Es findet derzeit ein Shift von der Aufgabe der „Chronistenpflicht“ im Journalismus hin zur „Diskursabbildung“.

Bildschirmfoto 2017-03-07 um 12.10.41Es gibt Hoffnung: Die Leserschaft ist bunt

Vergessen sollten wir aber auch nicht, dass an vielen Tagen gerade nicht die Pizza von Norbert Hofer „herumgereicht“ wird, sondern eben ein ernster Aufmacher, etwa aus dem Ressort International oder Inland. Viel Verweildauer können lange Reportagen, Hintergrundberichte, Analysen, Kommentare mit vielen Postings im Forum aufweisen. Eigentlich schön, denn das ist die Leserschaft, die man sich so gerne vorstellt. Dass die gleiche auch gerne unterhalten wird oder sich auch mal über ein Facebook-Foto empört, macht sie nur vielfältiger. Aber darüber kann man sich schlecht aufregen.

Same company, new job

Seit 1. Dezember habe ich eine neue Aufgabe bei derStandard.at, und zwar als Head of Audience and Traffic Management. Zugegeben, meine Chefin Gerlinde Hinterleitner und ich haben lange überlegt, wie wir einen besonders treffenden Bullshit-Bingo-Titel ;-) erfinden können, der möglichst fancy klingt, noch fancier sind aber die Tätigkeiten des Teams, das ich leiten darf: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Lisa Hanzl, Cristina Coconu, Sabine Henhapl und Barbara Hautzendorfer verantworte ich die Maßnahmen, die dazu führen, User auf die Inhalte von derStandard.at aufmerksam zu machen, sie dazu zu bringen, lange auf der Website zu bleiben und diese Inhalte dann womöglich auch noch mit anderen zu teilen.

Social Media, SEO, ditigales Marketing

Dazu gehören etwa smart SEO, intelligentes digitales Marketing, die richtige Analyse von Daten, die entsprechende „Verpackung“ von redaktionellen Inhalten für unterschiedliche Plattformen oder der passende Ton in sozialen Netzwerken.

Herausforderung

Was mich auch gleich zur meiner Meinung nach wichtigsten Herausforderung in diesem Job bringt: Gerade in Zeiten, wo viele Medien meinen, mit marktschreierischem Getue, nervigen Werbemitteln und der Überflutung von sinnlosen Kampagnen nach Klicks heischen zu müssen, ist es kein Leichtes, genau diese Klicks auch auf erträgliche, ja sogar angenehme und sinnvolle Art zu erreichen.

Ziele

Das ist aber genau unser Ziel: Ruhig bleiben, wenn andere hyperventilieren, nochmal (schnell ;-)) nachdenken, bevor andere schon twittern, Google, Facebook und Twitter weder verteufeln noch vergöttern und ein qualitativ hervorragendes Produkt an mündige und smarte LeserInnen zu kommunizieren.  Das wird oft schiefgehen und hoffentlich noch öfter funktionieren. Und darauf freue ich mich sehr.

Die richtigen Socken für den Erfolg muss ich bald noch kaufen.

Die richtigen Socken für den Erfolg muss ich bald noch kaufen.

Feedback? Immer gern an @lisapetete, lisa.stadler@derStandard.at oder sogar oldschool face to face.“

 

Facebook und Fake-News: Wie umgehen mit dem Dilemma?

Die schon lange währende Debatte um die Frage, inwiefern Facebook Einfluss auf politische Entscheidungen hat, erfährt seit der US-Wahl neuen Aufschwung. KritikerInnen des sozialen Netzwerks orten fehlende Einsicht und ein Leugnen der Verantwortung. Mark Zuckerberg hat wiederum die Kritik als „ziemlich verrückt“ abgetan.

Um beide Positionen zu verstehen, gilt es einige Punkte zu beachten. Der wohl wichtigste dabei ist, dass Facebook sich nicht als Medium, sondern als Distributionskanal versteht. Wenn junge Mazedonier also fake News über Trump produzieren und diese über Facebook vertreiben, ist aus Zuckerbergs Sicht nicht das soziale Netzwerk zur Verantwortung zu ziehen, sondern jene, die die falschen Nachrichten schreiben. Ein plumper Vergleich: Wenn ein illegaler Waffenhändler seine Ware mit der Post verschickt, ist nicht der Briefträger der Böse, sondern selbstverständlich der Waffenhändler. Zuckerberg sieht wohl die mündigen Nutzer in der eigenen Verantwortung, verschiedene Quellen zu konsumieren und selbst deren Glaubwürdigkeit zu überprüfen.

Reichweite = Einfluss

Allerdings ist die Sache mit der Distribution eine etwas komplexere: Die riesige Masse an Facebook-Nutzern – derzeit 1,7 Milliarden weltweit – sowie die zunehmende Konzentration des News-Konsums über soziale Netzwerke wie Facebook ist nicht zu leugnen. Facebook wird sozusagen mit ungewollter Verantwortung konfrontiert, einfach weil sehr viele Nutzer fast nur mehr über die Plattform zu richtigen oder auch falschen Nachrichten kommen. Das massive Verbreitungspotenzial von Inhalten spielt also definitiv eine Rolle bei der Meinungsbildung. Außerdem hat Facebook mit Algorithmus-Experimenten bereits bewusst versucht, die Stimmung der User zu beeinflussen.

FotoFilter Bubbles sind nicht unbedingt ein Social-Media-Phänomen

Dennoch ist es zu einfach gedacht, Facebook als Hauptschuldigen etwa für das Trump-Desaster auszumachen. Denn Gerüchte, Falschmeldungen und einseitige Informiertheit sind leider schon viel älter als das Web 2.0. Man denke an so manche ÖsterreicherInnen, die seit Jahrzehnten ausschließlich die Kronen Zeitung abonniert haben, fest davon überzeugt sind, dass Flüchtlinge quasi alle Nichtsnutze sind und am Stammtisch kaum eine Gegenstimme hören. Sie brauchen keine böse Online-Echokammer, um zu ihren Einstellungen zu kommen. Verstärkt werden kann ihre Meinung aber sehr wohl, wenn sie aktiv nach Bestätigung im Netz suchen. Und diese ist heutzutage schnell gefunden. Bei einschlägigen Websites, aber auch bei Facebook-Seiten und Twitter-Accounts.

Busenblitzer sind banaler als Verschwörungstheorien

Deshalb ruft zum Beispiel Wired Deutschland Facebook dazu auf, den Facebook-Algorithmus so zu ändern, dass es den Nutzern leichter gemacht wird, falsche von echten Nachrichten zu unterscheiden und Quellen besser beurteilen zu können. Schließlich schafft es das soziale Netzwerk ja auch, Nacktfotos automatisch zu löschen. In einem System, in dem jeder einzelne Nutzer als Medium fungieren und jedes Posting potenziell viral werden kann, wird wohl auch die smarteste Text-Analyse Facebooks an ihre Grenzen stoßen. Es ist äußerst unrealistisch, dass Facebook als Wahrheits-Finder dienen wird, allein schon wegen der Komplexität der Inhalte.

Eine Bevorzugung von etablierten Qualitätsmedien im Facebook-Newsstream oder auch das Festlegen gewisser Faktoren für die Bestätigung des Wahrheitsgehalts einer Meldung ist aus Sicht vieler sicher wünschenswert – für Mark Zuckerberg widerspricht es aber vermutlich dem „egalitären Wesen“ Facebooks. Außerdem könnte genau ein solcher Algorithmus besonders fehleranfällig für etwa Investigativjournalismus sein, da dieser von der gängigen Berichterstattung abweicht. Und: Bekäme dann etwa die Kronen Zeitung so einen Vertrauensbonus von Facebook, weil sie zum Beispiel auch Vertriebsförderung in Österreich bekommt? Und wollen wir überhaupt, dass ein soziales Netzwerk bestimmt, was wahr oder falsch ist? Man sieht also recht schnell: Die Zensur von Brüsten ist bei 1,7 Milliarden NutzerInnen wesentlich einfacher als jene von unliebsamen Blogeinträgen.

Die Lösung: Vertrauen und Medienkompetenz

Gibt es also eine naheliegende Lösung für das Problem der Wahrheitssuche auf Facebook? Vermutlich nicht. Der Ausbau von Kooperationen zwischen ernstzunehmenden Medien und Facebook kann ein Beitrag dazu sein; die Konzentration auf die Schulung von Medienkompetenz in allen Altersgruppen ein anderer; und womöglich endlich die Erkenntnis der Medien, dass sie NutzerInnen erreichen müssen, die ihre Filterbubble genau so lieben wie sie ist. Ein Durchbrechen dieser Bubble ist also eine Herkulesaufgabe.

Nominiert als Onlinerin des Jahres

Ein Facebook-Post sagt mehr als tausend Worte. Ich freu mich.

Wegen dieser ganzen Zeitverschwendung auf Facebook bin ich bei Werbeplanung.at als Onlinerin des Jahres nominiert. Da…

Posted by Lisa Stadler on Monday, November 9, 2015

 

Voten kann man hier in der Kategorie “Medienmacher”: http://werbeplanung.at/onlinerdesjahres

Tag der Marktkommunikation

Gestern hatte ich die Ehre beim Tag der Marktkommunikation in der Marx Halle sprechen zu dürfen. Besonderes Highlight war der Vortrag von “Werbe-Guru” Michael Schirner, der eine “lecture performance” hielt, hier nachzuerleben (Text und Bild führen durch die “Vorlesung”). Schirner betrachtet Werbung als Kunst und arbeitet daran, sich als Künstler, der als Experte gilt, abzuschaffen. Darauf spielt auch seine Serie Bye Bye an.

Eine Zusammenfassung meines Vortrags gibt es bei Werbeplanung.at.

Niklas Stadler (nicht verwandt, nur supriger Nachname) war so nett und hat diese Fotos zur Verfügung gestellt:

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Schirner plant derzeit eine neue Kampagne gegen AIDS. Berühmte Fotografen wie Jürgen Teller, Wolfgang Tillmanns, Inez van Lamsweerde, Anton Corbijn, Steven Meisel, Nan Goldin werden sich beteiligen. (Caption: Genius Stefan Binder ;-))

 

 

 

Warum Medienmenschen Alain de Bottons „Die Nachrichten. Eine Gebrauchsanweisung“ lesen sollten

Einer der Riesenvorteile an „Urlaub“ (Duden: in Betrieben, Behörden, beim Militär nach Arbeitstagen gezählte dienst-, arbeitsfreie Zeit, die jemand [zum Zwecke der Erholung] erhält) ist ja, dass man wieder dazu kommt, Bücher (Duden: größeres, gebundenes Druckwerk; Band) zu lesen.

Eines davon, das mir untergekommen ist, stammt von Alain de Botton und heißt „Die Nachrichten. Eine Gebrauchsanweisung“. Der erste einleuchtende Grund, es zu konsumieren, leuchtet beschäftigten Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit sofort ein: Es ist nur rund 250 Seiten lang und großzügig gelayoutet (Bilder!). Nach ein paar Stunden Lektüre hat man also das Gefühl, etwas vollbracht zu haben und die Chancen sind groß, das Buch auch wirklich zu Ende zu lesen.

Buch, Print, #nofilter

Buch, Print, #nofilter

Der nächste Grund: Der Text führt all jenen, die hin und wieder mit Medien zu tun haben und die sich über deren Produktion beziehungsweise Konsumption Gedanken machen, einige erleuchtende Fakten vor Augen und bietet eine Idealvorstellung von Medien, die man diskutieren kann.

De Botton geht bei seiner Beschreibung der aktuellen Medienlandschaft dabei von KonsumentInnen aus, die generell Newsjunkies sind und dem aus meiner Sicht alten Schlag der LeserInnen/SeherInnen zuzuordnen sind: Nämlich jenen, die durch irgendeine Art von Tradition – meist in der Familie – gelernt haben, dass man bewusst täglich Nachrichten konsumiert. Das ist für mich schon einer der wesentlichen Punkte, bei denen der Autor etwas ganz Wesentliches vermisst:

Diese Menschen sterben nämlich aus. Blumig schreibt er: „In den entwickelten Wirtschaftsgesellschaften üben die Medien heute eine mindestens so starke Macht aus wie früher der Glaube. Die Berichterstattung taktet den traditionellen Tagesablauf mit unheimlicher Genauigkeit: Das Frühstück hat sich ins Morgenmagazin verwandelt, das Abendessen ist identisch mit der Tagesschau.“

Zum Glück für viele Medien gibt es zwar noch genügend Menschen, auf die das vielleicht zutrifft, ich persönlich kenne aber fast keine. Niemand in meinem Umfeld konsumiert Medien zu einem von den Medien festgelegten Zeitpunkt, sondern dann, wann er oder sie Zeit hat und dann geschieht das meistens zufällig über die soziale Netzwerke.

Wayne interessiert’s?

Das Interesse an Nachrichten schwindet massiv und zwar aus guten Gründen, die de Botton auch anführt: Wichtige Geschichten werden ohne Kontext und bruchstückhaft präsentiert, es fehlt an Einordnung, Meinung, dem „großen Bild“: „kein Wunder, dass wir uns langweilen“, so der Autor. Anhand der Bereiche Politik, Ausland, Wirtschaft, Prominenz, Katastrophen und Konsum werden Nachrichten analysiert und die Psychologie bei den Konsumenten hinterfragt. Was geschieht mit uns, wenn wir Geschichten über Promis lesen oder über einen Arzt, der sich aus dem 30. Stockwerk stürzt? Warum klickt niemand auf die Korruptionsgeschichte in Uganda? Und wie kann sich das ändern?

Attraktive Aufbereitung

Es kann „nicht darum gehen, die Menschen zu drängen, mehr „seriöse“ Nachrichten zu konsumieren; vielmehr sollten angeblich seriöse Nachrichtenkanäle wichtige Informationen so präsentieren, dass sie das Publikum wirklich ansprechen“, folgert de Botton. „Im idealen Medienunternehmen der Zukunft würden die anspruchsvollen Aufgaben der Kontextualisierung und Popularisierung so ernst genommen, dass Berichte über Fördergelder (fast) so aufregend wären wie über inzestuöse Kannibalen in Australien.“

Wir sind teils selbst schuld an der Wut

Dabei geht das Buch auf Bildsprache, Erwartungen des LeserInnen und auch auf die Wut in den Foren von Online-Medien ein. Diese hält de Botton für ein zum Teil selbstproduziertes Problem, das es jedoch auf Seiten der Berichterstattung zu bekämpfen gilt: denn die Medien präsentieren oft Probleme (gescheiterte Verhandlungen, Börsenstürze, etc.), verabsäumen aber die Schilderung der Komplexität dahinter. Dadurch fühle sich das Publikum einer Situation verständnislos gegenüber und sei entsprechend hoffnungslos. Das Resultat mitunter: Schimpf-Tiraden in den Kommentaren. (An dieser Stelle könnte ich jetzt noch einen halben Roman über weitere Gründe für Hate-Postings in Foren und Strategien für deren Bekämpfung anfügen, das mache ich dann in der Pension.)

Als Fazit geht aus „Die Nachrichten“ hervor, dass Medienmacher sich viel mehr an der Erwartungshaltung der LeserInnen orientieren und sich in ihre Lage hineinversetzen müssen: „Warum sollte ich diesen Text lesen?“ kann nämlich leider viel zu selten beantwortet werden. Zudem kommen die Artikel oder Beiträge selbst wenn die Frage beantwortet werden kann dann oft in unkonsumierbarem Zustand daher.

Genau der Punkt der Aufbereitung ist natürlich für die Verbreitung von seriösen Inhalten via Social Media essenziell: Darüber, wie man auf Facebook die Aufmerksamkeit für eine Reportage aus Syrien generieren kann, wenn man gegen eine Flut aus Partyfotos, Katzenvideos und Trash-Berichte antritt, zerbrechen wir uns bei derStandard.at täglich den Kopf. Manchmal gelingt es, viel öfter scheitern wir kläglich. De Botton liefert aber mit seinen Beispielen und dem Fokus auf die Psychologie des Nachrichtenkonsums gute Ansatzpunkte für den Arbeitsalltag, und das ohne ein einziges Mal „Social Media“, „Traffic“ oder „Google Analytics“ zu erwähnen.

 

Business Riot!

Zur Abwechslung mal ein Event-Tipp, den ich allen Kolleginnen ans Herz lege, denen Frauenförderung ein Anliegen ist und die im Berufsleben weiterkommen wollen.

Die Kolleginnen von Sorority haben in einigen Monaten Arbeit ein großartiges Festival auf die Beine gestellt, das ganz weit weg von Selbsthilfegruppen-Feeling und Esoterik-Seminar-Anleihen angelegt ist.

businessEs geht einfach darum, praktisches Wissen auszutauschen und gescheiter zu werden. Und nun zur shameless self promotion: Mein Workshop ist auch schon angekündigt.

Tickets gibt es ab 14. September!

Steller im Test: App für digitale Magazin-Liebhaber

Vor ein paar Wochen bin ich durch einen Tipp von Ladyvenom und Lionheaded auf die App Steller gestoßen. Die mobile Anwendung ermöglicht es Usern, sehr leicht, schön gelayoutete Fotogeschichten zu erstellen. Man kann aus unterschiedlichsten Vorlagen wählen und diese je nach Bedarf verändern. Soweit so unspektakulär.

Was an Steller aber positiv auffällt, ist der gut kuratierte Lifestyle-Inhalt. Endlich schafft es eine App, das Magazin-Feeling für jeden User aufs Smartphone zu übersetzen. Es dominiert Content aus den Bereichen Reise, Lifestyle, Food, Design und Sport, die Qualität der meisten Beiträge, die man angezeigt bekommt, ist sehr gut.

Womit wir auch schon bei der Reichweite wären: Ich hatte das Glück, mit einer Story in die „Steller Collection“ (24 Stunden lang bevorzugte Ausspielung) zu kommen, was bei nur 2 produzierten Storys und quasi null Followers zu immerhin 140 Likes, über 5.500 Page Views und einem Ranking in den Top 20 führte. Mit solchen Lockmitteln schafft es die App, auch „Anfänger“ bei Laune zu halten und den Geschichten ein großes Publikum zu verschaffen.

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Fazit: Die App eignet sich hervorragend für Instagrammer, die mehr herzeigen wollen und die auch bereit sind, ein bisschen Aufwand in die Content-Produktion zu stecken. Das Erstellen meiner Berg-Story kostete mich rund eine Stunde inklusive Stümperhafter Fotobearbeitung am Smartphone. Die Fotos habe ich alle mit dem iPhone gemacht, die meisten Beiträge von anderen Usern sind aber fototechnisch hochwertiger und meist mit professionellen Kameras geschossen.

Hier noch die Story zum Durchklicken:


Link zum Steller-Profil

Datenflut und Social Media

Für Servus TV wird gerade eine US-amerikanische Dokumentation über Datenflut für den österreichischen Markt adaptiert. Im Rahmen der Überarbeitung hatte ich die Ehre, meinen Senf über den Einfluss von Social Media auf unseren Alltag dazuzugeben. In Zeiten, wo es schon Offline-Jugendcamps geben muss, damit ein paar handysüchtige Kinder mal gemeinsam ein Lagerfeuer machen, das nicht sofort auf Instagram landet, stellt sich natürlich die Frage, was die negativen Seiten von Social Media mit uns machen.

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Ich bin überzeugt davon, dass nicht die Kanäle an sich schuld sind, sondern die fehlende Reflexion am Umgang damit: In Familien und Schulen und wahrscheinlich auch im Arbeitsleben braucht es eine viel intensivere und auch theoretische Auseinandersetzung, wie wir Social Media für uns und nicht gegen uns selbst nützen können. Ein alter Hut, der aber trotzdem immer wieder wiederholt werden muss, denn so etwas wie das Schulfach „Medienkompetenz 2.0“ gibt es ja noch nicht.

Inzwischen poste ich mal fröhlich weiter und bin sehr viel online. Solange es keine Belastung für einen selbst oder das Umfeld wird, ist hoffentlich noch alles in Ordnung ;-).

PS: Wann die Doku im TV kommt, weiß ich leider selbst noch nicht, das kann sicher noch eine Weile dauern.

derStandard.at erreicht 10.000 User per WhatsApp

Dieser Text erschien bereits auf derStandard.at.

Unser Community Management Team macht sich viele Gedanken darüber, wie und wo man die User und Userinnen ideal mit Nachrichten versorgen kann und wie der Austausch über die Inhalte erfolgen kann.

User direkt erreichen

Seit Messengerdienste wie WhatsApp so beliebt sind, stellten wir uns die Frage, wie wir als Unternehmen auch dort präsent sein können. Und sobald die Broadcast-Funktion eingeführt wurde, mit der man mehrere User auf einmal erreichen und sich mit ihnen austauschen kann, ohne dass die Nachricht gleich an alle Empfänger geht, war klar: Wir probieren das jetzt mal aus.

Gutes Feedback

Und genau das erwies sich als gute Idee. Denn das Feedback war enorm und übertraf unsere Erwartungen bei weitem. Wir erhielten unglaublich nette Nachrichten und nach einem halben Jahr erreichen wir nun 10.000 User und Userinnen per WhatsApp und tauschen uns mit ihnen aus.

Mut zum Experiment

Was wir aus dieser Hauruck-Aktion gelernt haben: Es braucht den Mut, einfach einmal etwas auszuprobieren, von dem man nicht weiß, wie es ausgehen wird. Wir hatten technische Probleme, die sogar dazu führten, dass wir ein Monat lang gar keine Nachrichten verschicken konnten, wir müssen damit rechnen, dass WhatsApp die Broadcast-Funktion jederzeit abdrehen kann und es das Service nicht mehr gibt und überhaupt wussten wir nicht, ob das jemanden interessieren würde.

Intensiver Austausch

Trotz allem haben wir es geschafft, binnen weniger Monate eine Community aufzubauen, die sich sehr intensiv und direkt mit unseren Inhalten auseinandersetzt und das Service als sinnvoll empfindet. Im Vergleich zu Facebook, Twitter oder Instagram ist der Austausch viel persönlicher und positiver und somit die Community gefühlt eine sehr loyale. Egal, wie sich WhatsApp also technisch weiterentwickelt: Wir wissen nun, dass Direct Messenger ein optimaler Kanal für Unternehmen sein können, wenn sie adäquat betreut werden.

Community Management

Dazu braucht es aber auch ein gut aufgestelltes Community Management, das auf Augenhöhe mit den Usern und Userinnen kommuniziert und vor allem von ihnen lernt: Das Service wird nämlich Schritt für Schritt mit dem Feedback der User und Userinnen adaptiert und verbessert. Wir freuen uns auf die nächsten 10.000.

Welche Rolle spielt Social Media für die humanitäre Hilfe?

Letzte Woche hatte ich beim Humanitarian Congress in Wien die Ehre, eine Podiumsdiskussion zum Thema Social Media und Humanitäre Hilfe zu moderieren. Mahmoud Shabeeb, Timo Lüge, Ingrid Brodnig und Thomas Seifert gaben Einblick in ihre Expertise. Hier gibt es die gesamte Diskussion zum Nachschauen: