Kampagnen 2.0: Wie mobilisieren?

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 31.1.2012

Thomas Gensemer, Obamas Online-Kampagne-Chef, ließ beim Campaigning Summit in seine Trickkiste blicken.

ie schaffte es Obama bloß im letzten Wahlkampf so viele Menschen für Politik zu begeistern und auch noch bedeutende Summen Geldes zu sammeln? Wie steht es um politische und nicht politische Kampagnen in Österreich und was kann hier verbessert werden? Beim Campaigning Summit in Wien, organisiert von Ex-ÖVP-Marketingleiter Philipp Maderthaner, widmeten sich die Vortragenden diesen und mehr Fragen: Mit dabei waren der Organisator selbst, Niko Alm (Laizismus-Kämpfer und Mikromischkonzern-Chef), Christoph Bieber (NRW School of Governance), Alexander Oswald (Head of Marketing CEE, Nokia) und Thomas Gensemer, das Mastermind der Online-Kampagne von Barack Obama.

Wie es aussieht, hat Österreich in Sachen Online-Campaigning gegenüber den USA noch sehr viel aufzuholen. In Amerika werden laut Maderthaner politische Anliegen anders transportiert, es werden ganz klare Botschaften vermittelt, was erreicht werden soll, und vor allem warum. “Was wir lernen können ist, dass dort Unterstützer und Wähler viel aktiver in Kampagnen miteingebunden werden. Und man beherrscht dort auch die große Kunst der Einfachheit, eine Reduktion auf das Wichtige. So ist es viel einfacher Bewegungen zu erzeugen und das Potenzial der Menschen zu nützen.” Was Social Media in Österreich betrifft, hat Maderthaner kritische Worte übrig. Es werde nicht so sehr die Frage gestellt, welchen Nutzen man erzeugen will, als auf welcher Plattform man sein will. “Wir haben das wunderbar beim Facebook-Auftritt von Werner Faymann gesehen. Ich denke die einzige Motivation warum er dort aktiv geworden ist, war es Print-PR zu gewinnen, nicht um mit den Usern zu interagieren.” resümiert der Organisator.

“Wir wissen, wer unsere Wähler sind.”

Interaktion ist Gensemer und seinem Team schon lange kein Fremdwort mehr. Sie sind mit ihrer Online-Kampagne, in der Social Media groß geschrieben wurde, wesentlich mitverantwortlich für den Sieg Obamas 2008. Die Zahlen sprechen für sich: Gensemer konnte mit der Kampagne 13,5 Millionen Unterstützer gewinnen und 500 Millionen Dollar sammeln. Dieses Jahr geht es in die nächste Runde: Während gerade Obama in seinen Reden die Wogen glätten und sich von der Parteipolitik verabschieden wollte, polarisiert der Präsident nach einem Jahr im Amt mehr als jeder andere zuvor. Zugleich hat er mit der Finanzkrise zu kämpfen, die auch dazu führte, dass die Amerikaner ihr Vertrauen in die Politik verloren haben. Und die Republikaner nennen den nach Harmonie strebenden Obama einen “Naivling”, “arroganten Sozialisten” und “Loser”. Wie Gensemer und sein Team der neuen Herausforderung begegnen, erzählte und der Kampagnenmanager selbst:

KURIER: Was hat sich seit der letzten Wahl für Sie verändert? Was möchten Sie jetzt anders machen?

Thomas Gensemer: Die Politik hat sich verändert. Zum Einen sitzen wir jetzt im Weißen Haus und haben die Verantwortung, zum Anderen haben wir mit der Finanzkrise zu tun. Die Erwartungen der Leute da draußen sind also größer als 2008 und wir müssen sie wieder mit einbinden, wahrscheinlich auf eine direktere Art und Weise. Technisch gesehen müssen wir uns jetzt auf das große Wachstum von mobilen Endgeräten einstellen, insbesondere Smartphones. Es geht jetzt darum, “mobile” überall zu integrieren. Diese Dinge werden nach außen kaum wahrgenommen, sind aber ganz wichtig für uns, damit wir die Leute mit unseren regionalen Inhalten zielgruppengerecht erreichen. Es müssen also die Daten für alle Channels richtig aufbereitet werden. Außerdem sind Facebook und Twitter noch wichtiger geworden, auf Facebook haben wir zum Beispiel schon im April losgelegt mit der Kampagne. Der große Unterschied zwischen Europa und Amerika ist auch, dass wir wissen, wer unsere Wähler sind, wir haben viel mehr Daten zur Verfügung. Wenn sich die Wähler also online anmelden, können wir mit dieser Information sehr viel anfangen. Das macht das Targeting viel leichter und unsere Kampagne im Vergleich zu 2008 besser.

Wäre Ihnen Gingrich oder Romney lieber als Gegner und inwiefern würden sie ihre Strategie je nach Opponent adaptieren?

Wir haben keinen Wunschgegner. Es macht Spaß sich den Rummel von der anderen Seite anzusehen, und unsere Kampagne ist für alle Eventualitäten gerüstet. Egal wer unser Gegner sein wird, es wird eine knappe Wahl. Im Grunde geht es darum die Leute wieder zu mobilisieren, die uns letztes Mal zum Sieg verholfen haben. Der Präsident ist mit Sicherheit in einer anderen Position als vor ein paar Jahren, was Vor- und Nachteile mit sich bringt, wir wollen auf jeden Fall eine intelligente Debatte mit den anderen und sorgen gerade dafür, dass eine gewisse Basismobilisation stattfindet, um für den Wahlkampf gerüstet zu sein. Jedenfalls wäre es dumm von uns unsere Gegner zu unterschätzen, denn auch sie haben sehr gute Kampagnen.

Wie gehen Sie mit Kritik im Wahlkampf, insbesondere in Social Media um?

Wir setzen hier stark auf das Potenzial unserer Unterstützer da draußen. Wird zum Beispiel falsche Information über Obama im Netz gepostet, sehen das oft die Supporter zuerst und reagieren darauf. Es gibt auch eigene Taskforces, die darauf spezialisiert sind, sich um diese Dinge zu kümmern. Das sind Freiwillige, die sich melden.

Ein User auf Twitter fragt, ob Sie bei dieser Kampagne wieder mit Shepard Fairey arbeiten? (Anm. d. Red.: Künstler, von dem das berühmte “HOPE” Plakat von Obama im letzten Wahlkampf stammt.)

Das weiß ich leider nicht.

Wie wird Twitter bei diesem Wahlkampf eingesetzt und wie werden die Accounts betreut?

Dieses Mal ist es etwas anders, weil sowohl Inhalte von Mitarbeitern aus dem Weißen Haus gepostet werden als auch Inhalte zur Kampagne. Barack Obama twittert ab und zu selbst, Michelle Obama hat auch gerade einen Account gestartet. Es gibt auf jeden Fall große Teams, die sich um die Inhalte der Accounts kümmern.

Wiener Szene-Club Roxy sperrt zu

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 18.1.2012

Nischenevents im Untergrund: Dafür war das Roxy jahrelang eine der wichtigsten Adressen in Wien. Bald gibt es die letzte Party.

“Liebe Gäste, Freunde, Veranstalter, eine Ära geht zu Ende! Leider müssen wir Euch mitteilen, dass der Club Roxy mit Ende-März zugesperrt wird! Wir möchten uns bei allen treuen Gästen bedanken und hoffen Euch bis 31.3.2012 im Club nochmal begrüssen zu dürfen! feiert mit uns ein letztes mal im legendären ROXY! Wünschen Euch alles gute und bis bald! Euer Roxy-Team”. Mit diesen Worten gab der kleine Club in der Operngasse 24 sein Ende bekannt.

Gerade wird die Wiener Clubszene für ihre Vielfältigkeit gerühmt, in den letzten Jahren hat sich mit Pratersauna, Market, Werk, Grelle Forelle und wie sie alle heißen viel getan. Vielleicht sogar zu viel. Das gut gelegene Roxy mit seinem Schmuddel-Flair öffnet jedenfalls bald zum letzten Mal die Türen für eine Party.

Was ging ab?

Hier war Platz für Nischen-Events aller Art. Das Message-Magazin zum Beispiel lud gerne ins Roxy für die eine oder andere Hip-Hop-Nacht, oder auch das Vice schaute mit Leser-Entourage ein paar Mal vorbei. Wenn man spätnachts heil die steilen Stufen hinabgestiegen ist erwarteten ein enger, verrauchter, ein bisschen versiffter Raum mit viel Platz für die Bar, Spiegeln und Fell – die perfekte Mischung für eine Fortgehnacht, die etwas länger dauert. Daniel Shaked von The Message resümiert auf KURIER-Anfrage: “Wir haben legendäre Partys gefeiert im Roxy und sind nun seid über zehn Jahren regelmäßig dort. Es ist sehr tragisch, dass es zumacht, vor allem auch, weil es eines der letzten Lokale war, das in dieser Größenordnung funktioniert hat.”

Die Nachfrage nach etwas Abwechslung im Nachtleben bringt das Kommen und Gehen der Clubs eben mit sich. Roxy, es war uns eine Ehre – wir hoffen, dass Wien uns würdige Nachfolger liefert.

TV-Diskussionen ohne Putin

Autorin: Lisa Stadler, veröffentlicht auf KURIER.at am 12.1.2012

Alle Kandidaten diskutieren im TV – nur Putin nicht. Die Opposition nennt den Premierminister einen Feigling.

Wie der Kommersant am Donnerstag berichtet, gab der Pressesprecher von Putin bekannt, dass der Kandidat für die Präsidentschaftswahl mit seinen Aufgaben als Premierminister zu beschäftigt sei, um an den TV-Debatten vor der Wahl am 4. März persönlich teilzunehmen. Stattdessen werden aber Vertreter geschickt und die Sendezeit, die dem Kandidaten zur Verfügung steht, auf jeden Fall genützt um das Wahlprogramm zu vermitteln.

Die politischen Gegner Putins zeigen sich gar nicht begeistert davon. Die Absage bei den TV-Diskussionen interpretieren sie als Unfähigkeit auf Kritik zu reagieren und vor allem als Geringschätzung am Dialog. “Würde Sarkozy das gleiche tun, wäre er längst kein Politiker mehr,” meint etwa Gennadij Gudkov von der Partei Gerechtes Russland dem Kommersant gegenüber.

Indes nimmt die Kritik an Putin nicht ab. Nachdem bereits Zehntausende auf den Straßen demonstriert haben um ihren Unmut über die vermutete Wahlfälschung bei den Parlamentswahlen im Dezember 2011 zu zeigen, sind weitere Proteste am 4. Februar geplant.